Samstag, 15. Dezember 2012

Kapitel 2 (16)

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Wir können eine herabgefallene Tasse nicht samt Inhalt auf den Tisch zurückbewegen. Der Vorgang ist asymmetrisch in der Zeit – er lässt sich nicht umkehren. Wir können nur eine neue Welt erschaffen, in der ein Film vorwärts läuft, aber einen Vorgang rückwärts zeigt: eine Tasse setzt sich aus Splittern zusammen und springt auf einen Tisch, während sie sich mit Inhalt füllt.
WECHSELWIRKUNGEN ERSCHAFFEN DIE WELT UND IHRE ZEIT: OHNE WECHSELWIRKUNGEN GIBT ES KEINE ZEIT – diese Grundauffassung ist zunächst nichts als ein Versuch, die Perspektive zu wechseln und die Welt nicht mehr „objektiv“ und vom Standpunkt eines „unbeteiligten Beobachters“ zu sehen, der seinem freien Willen folgend etwas „feststellen“ wird.
Im Verhältnis zwischen Arzt und Patienten - insbesondere das zwischen Psychiater und psychisch gestörtem Menschen – spitzt sich die Aufgabe zu. Will ersterer eine „objektive Feststellung“ über den Gesundheitszustand des anderen treffen, dann muss er jeden störenden Einfluss der Apparatur oder seiner eigenen Anwesenheit vermeiden. Niemand aber bleibt vom Ortswechsel in einen Behandlungsraum, von der Anwesenheit eines Gegenübers im weißen Kittel, von der Konfrontation mit Untersuchungsgeräten unbeeinflusst, er wäre denn völlig apathisch. Vielleicht haben Sie ja schon selbst erlebt, dass sich Zahnschmerzen im Wartezimmer des Zahnarztes verflüchtigten.
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