Freitag, 7. Dezember 2012

Kapitel 2 (15)

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· Wechselwirkung, Interaktion, scheint ein universales Phänomen zu sein. „Sein“ erfahren wir nur so, nur in dieser fortwährenden Dynamik. Unser Denken insbesondere ist ein unablässiger Austausch von „Signalen“ in den energetischen und stofflichen Wechselwirkungen des menschlichen Körpers mit seiner Umgebung.
· Es gibt keine Vergangenheit – jedenfalls können wir mit ihr nicht interagieren. Die unablässige Interaktion unseres Gehirns mit „Gedächtnisinhalten“, also unterschiedlich träge interagierenden chemischen oder elektromagnetischen Bereichen, erzeugt unsere Vorstellung einer Vergangenheit. Geschichte ist nichts als fortgesetzter Umgang mit „überkommenen“ – weil ebenfalls sehr träge interagierenden – „Spuren“, also irgendwelchen wenig veränderten Materialien. „Vergangenheit“ und „Geschichte“ sind Konstrukte und verändern sich natürlich auch fortwährend, weil sie nur in Interaktionen (etwa beim Lesen und Interpretieren eines Buches) einen Sinn erhalten.
· Interaktionen laufen nach „Mustern“ ab, die wir erkennen können, und zwar nicht nur, indem wir Vergangenes konstruieren.
Wenn man diesen Gedanken folgt, stößt man auf seltsame Phänomene: Die „wirkliche“ Vergangenheit liegt danach jenseits eines „Ereignishorizonts“, hinter den wir nicht zurück können. Das Nachdenken über „Zeitmaschinen“ und „Reisen in die Vergangenheit“ führt ja unter anderen zu dem bekannten und filmisch weidlich ausgeschlachteten Paradoxon, dass ein Zeitreisender seine eigene Mutter umbringen könnte und damit nicht existent wäre. Damit wäre aber auch sein gesamtes Handeln im Danach ausgelöscht. Konsequent zu Ende gedacht: jede solche Reise würde eine neue Welt mit anders gemischten Karten erschaffen. Jede Zeitreise wäre der Keim eines neuen Universums. Dennoch ist es nicht so, dass wir „gar keine Verbindung“ zur Vergangenheit haben: wegen der unterschiedlichen Trägheit der Wechselwirkungen „reiben“ wir uns ständig an den „Spuren“ – also an den langsamer interagierenden Bereichen unserer Umgebung. Dann konstruieren wir mittels unserer Fähigkeit zur Mustererkennung die Geschichte – zum Beispiel die des Grönlandeises. So erschaffen wir unsre Welt mit den dazugehörigen Meinungen und Theorien, die im selben, unfasslich kurzen Moment unveränderbar hinter dem Ereignishorizont versinkt.
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