Montag, 29. Oktober 2012

Kapitel 2 (3)

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Am Ende bleibt eigentlich nur eine - neue - Angst: aus dem Gestell herauszufallen.
Auf diese Angst - wie auf die meisten Bedürfnisse und Konflikte - reagieren Menschen nicht mit Verhaltensweisen, die sich von denen ihrer Urahnen grundsätzlich unterscheiden. Unsere emotionale Grundausstattung hat sich in Jahrhunderttausenden der Interaktion mit anderen Menschen und natürlicher Umwelt als erfolgreich erwiesen und – nach allem was wir darüber sagen können - weitgehend erhalten. Wie wir Gefühle sprachlich und in Umgangsformen äußern, ist zwar sozial und kulturell modifiziert, die wesentlichen Ausdruckssignale aber, unsere Mienen, Gesten, Laute sind viel älter und in der Wechselwirkung von Hirn, Nerven und Körper viel tiefer eingewurzelt als die stark kulturabhängige Sprache – auch das zeigen neueste Untersuchungen von Hirnforschern.
Nun mobilisieren Konflikte in der modernen Arbeitswelt nicht nur die rationale, sprachliche Reflexion sondern die gesamte psychische Ausstattung - und gehen mit den gleichen Ängsten und ihnen folgenden Strategien des Erlangens und Vermeidens einher, wie Konflikte in einer Sippe der Steinzeit. Mitten in all unseren Errungenschaften der Informationstechnologie laufen dieselben heftigen Gemütsbewegungen ab, wie bei Sophokles oder Shakespeare. Nur die äußeren Bedingungen haben sich geändert: das Gestell schränkt zeitweise Formen der Interaktion ein, es erlegt den Angestellten Zwänge in ihrem Ausdrucksverhalten auf.
Lesen Sie weiter in Abschnitt (4) über “Lachen an der falschen Stelle”





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